Schaukäserei Hirztaler

Das Saarland ist ja doch für so einiges bekannt: den Schwenker, die Saarschleife, Lyoner, Bier, Wein, … aber Käse? Tatsächlich findet sich im beschaulichen Hirzweiler eine Käserei, die bereits auf dem Münchener Viktualienmarkt Publikumspreise für ihre Produkte abgeräumt hat. Angefangen hat alles, als Geschäftsführerin Petra Fries und ihr Mann 1995 ein altes Bauernhaus kauften und es so bewohnen wollten, wie es ursprünglich gedacht war: mit Tieren. „Als eine Kuh dazukam, dachten wir uns: Wir haben eine Kuh, wir haben Milch, wieso machen wir nicht unseren eigenen Käse?“, erzählt Frau Fries. Die Idee für die heutige Dorf- und Schaukäserei im ehemaligen Hirzweiler Schulgebäude war geboren. Sie ist nicht nur die größte Käserei in der Gegend, sondern auch mit ihrem Konzept als Schaukäserei in der Großregion einmalig. Seit der Eröffnung im Juni 2010 können Besucher der Käserin bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und den Herstellungsprozess von der Milch bis zum reifenden Käse mitverfolgen. Dabei gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch viel rund um das Thema Käse zu erfahren.

Der Ottonormalverbraucher macht sich in der Regel wohl eher wenig Gedanken um die Herstellung von Käse – er kauft ihn einfach. Dass Käsen echtes Teamwork ist und als traditionelles Handwerk viel Zeit und vor allem viel Erfahrung braucht, das wissen die wenigsten. Das eigentlich Aufwendige und vor allem Zeitintensivste ist dabei aber nicht die Herstellung der Käselaibe, sondern die regelmäßige und kontinuierliche Käsepflege. Während drei Mitarbeiter sich um die Produktion kümmern, braucht es doppelt so viele, also sechs Mitarbeiter, für die Pflege der Käsesorten. Das bedeutet: immer wieder wenden und bürsten – und zwar jeden Tag. Auch die Nachbereitung der Produktionsräume nimmt viel Zeit in Anspruch. Nachdem die Käseproduktion gegen 12 Uhr hinter den großen Fenstern der Schaukäserei im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne gegangen ist, wird bis etwa 16 Uhr sauber gemacht.

Wie Frau Fries und Unternehmenssprecher Hubert Immesberger betonen, habe die Region für sie immer schon im Mittelpunkt gestanden. Entsprechend spielt Regionalität eine große Rolle: Die Milch wird von ortsansässigen Bauern – beispielsweise aus dem nahegelegenen Marpingen – bezogen, die auch ihre Futtermittel selber anbauen. Regionaler geht es schon fast nicht mehr. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die hohe Qualität der Produkte, die dem Betrieb besonders am Herzen liegt. Abgesehen von regelmäßigen strengen Qualitätskontrollen wird die Milch während des Käsens nur so weit behandelt, dass alle Nährstoffe erhalten bleiben. Die Qualität manifestiert sich außerdem in den Schwankungen in Menge und Geschmack der produzierten Käsesorten. Hier wird der Unterschied zwischen handwerklichen und industriellen Produkten deutlich. Wie der Käse letztlich schmeckt, wird maßgeblich vom Klima beeinflusst, denn dieses wirkt sich auf den Reifeprozess aus. Außerdem stehen den Milchkühen je nach Jahreszeit unterschiedliche Futtermittel zur Verfügung, was sich ebenfalls im Geschmack des Endprodukts bemerkbar macht. Immesberger weist darauf hin, dass der Verbraucher sich erst wieder an solche Phänomene gewöhnen müsse. Im Rahmen der Regionalmarke solle den Kunden die besondere Qualität und die Herkunft ihrer Lebensmittel noch einmal bewusst werden.

Damit Sie sich nun vom Käsereibetrieb eine bessere Vorstellung machen können, ein wenig Hirztaler Käse in Zahlen: Im Untergeschoss der Käserei lagert ein Bestand – man kann fast sagen „Schatz“ – aus sechs Tonnen Käse dauerhaft. Dabei liegt Weichkäse vier bis sechs und Schnittkäse sechs bis acht Wochen. Hartkäse muss mindestens drei Monate reifen und hier gilt die Devise: je länger, desto besser. 21 Mitarbeiter kümmern sich um die Tätigkeiten im und um den Betrieb. Der Arbeitstag beginnt morgens um 6.30 Uhr mit der Anlieferung von etwa 2000 Litern Milch, die im Laufe des Tages verarbeitet werden. Da man für 10 kg Käse circa 100 Liter Milch benötigt, entstehen in der Käserei jeden Tag etwa 200 kg des beliebten Milcherzeugnisses. Und gearbeitet wird nicht nur vom frühen Morgen bis in den Abend, sondern wegen der Käsepflege auch sieben Tage die Woche.

Wem nun von den ganzen Zahlen der Kopf schwirrt oder wer wissen will, wie Käse genau hergestellt wird, der kann sich selbst vor Ort mal umschauen, an einer Führung mit Verkostung teilnehmen und den Hirztaler Hofladen besuchen. Dort werden die vor Ort hergestellten Käsesorten und Butter sowie andere regionale Produkte wie Marmelade oder Honig angeboten. Wenn Hubert Immesberger dann hört, der Käse schmecke ja „wie früher“, dann ist das für ihn gleichbedeutend mit einer Auszeichnung. Genau das ist nämlich für ihn die Motivation hinter seinem Beruf: Die Beschäftigung mit Lebensmitteln und vernünftiger Ernährung. Und vor allem eine Rückbesinnung darauf, wo gute Produkte herkommen.

Bisher produziert Hirztaler exklusiv für Globus und exportiert dadurch seine Käsesorten nach ganz Deutschland. Und wer weiß, wenn genug Kunden zulangen und sich der Hirztaler Käse bundesweit einen Namen macht, sollte dem nichts mehr im Wege stehen, dass das Saarland neben Lyoner und Karlsberg auf für Hirztaler Käse bekannt ist.

Weitere Informationen, Termine und Preise erhalten Sie telefonisch unter:
06825 – 40 60 740

Impressionen:

Schaukäserei Hirztaler
Dorfwaldstraße 7A,
Hirzweiler 66557 Illingen

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